Christliche Mystik -kurz und knapp

Von Edna Li

Was ist Mystik?

Mystik ist nach Thomas von Aquin, „Cognitio dei experimentalis“, Gotteserfahrung im Experiment, also im Selbst-Versuch. Mystiker erklären Gott zum Forschungsobjekt und gehen davon aus, dass Gott unmittelbar erfahrbar ist. Hiob sagt, bevor er seine Konfrontation mit Gott zufrieden aufgibt: „Ich hatte von Dir nur vom Hörensagen vernommen, aber jetzt hat mein Auge Dich gesehen.“ Mystiker versuchen Gott zu finden, so wie Du und ich den Rhein finden oder wie ein Wissenschaftler den Urknall erforscht.

Vorab für diejenigen, denen das jetzt zu sehr nach Selbsterlösung, Werkgerechtigkeit und Esoterik klingt: Die Wegbeschreibungen der Mystiker stimmen immer darin überein, dass es sich um einen Weg des Bereitwerdens handelt. Gott neigt sich dann seinerseits gnadenhaft zu. Selbsterlösung ist innerhalb von Gottes Schöpfung ohnehin unmöglich. Mystiker aller Zeiten haben daran festgehalten, dass der Weg zu Gott ein gangbarer Weg ist, den ALLE Menschen gehen können. Die uns erhalten gebliebenen Werke der Mystik sind allesamt Wegbeschreibungen für einen unbeschreiblichen Weg.

So auch das Tagebuch von Dag Hammarskjöld. Dag Hammarskjöld war evangelisch lutherisch aufgewachsen, Jurist und Wirtschftswissenschaftler, der 2. Generalsekretär der Vereinten Nationen und erhielt posthum den Friedensnobelpreis. Er wurde in 1905 in Schweden geboren und starb bei einem Flugzeugabschuss im Kongo 1961. Nach seinem Tod fand man auf seinem Nachttisch in New York ein spirituelles Tagebuch, das überschrieben ist: Vægmarken, Zeichen am Weg. Also noch eine Wegbeschreibung.

Gibt es denn einen spirituellen Weg?

Ich habe mich mit den Mystikern und der Bibel befasst und habe versucht festzustellen, ob es übereinstimmende Stadien und damit einen nachvollziehbaren Weg gibt. Erschwert wird ein solcher Vergleich insbesondere durch die kulturellen und sprachlichen Abweichungen in den vielen Jahrhunderten aus denen die Beschreibungen stammen. Die Aussagen der Mystiker habe ich dann mit dem spirituellen Tagebuch Dag Hammarskjölds verglichen, um zu sehen, ob auch Hammarskjöld diesen Weg gegangen ist. Heute nur, sehr stark gekürzt, ein paar Kommentare zu den Stadien des Wegs.

1. Initiation

Die Initiation ist der Beginn des geistlichen Weges. In der Liturgie, also dem Theaterstück der christlichen Kirche sind Taufe und Konfirmation zusammen gleichbedeutend mit Initiation. Ursprünglich sollte das Ritual der Konfirmation die Aktivierung der Initiation verursachen. Das funktioniert heute aber durchweg nicht mehr. Deshalb entsteht die Aktivierung meist durch eine Not-Erfahrung. Hammarskjöld verlor in frühen Jahren einen Freund durch Selbstmord.

2. Wüste/Abtrennungen

Übereinstimmend berichten die Mystiker von einer Phase des inneren Rückzugs. Einer Zeit der Entbehrung. Sie kommen ihren eigenen Sünden in existentieller Weise auf die Spur.

Was ist das, Sünde? Sünde verstehe ich hier (in Abgrenzung zu den vielen anderen Definitionen) als ein Hindernis, Gott voll wahrzunehmen. Es geht also um die Beseitigung von Blockaden, Meister Eckhart spricht von „Verhüllungen“. Diese ergeben sich aus den eigenen Wertesystemen und beruhen oft auf Kindheitserfahrungen, Kindheitsprägungen, Exkommunikationserfahrungen und daraus entstehenden Ängsten, die dann reaktiv den Menschen steuern. Es geht also nicht nur darum, die Verletzung zu entdecken, sondern auch die daraus entstehende Reaktivität selbstkritisch in den Blick zu nehmen. Gott vergibt alle Sünden in genau dem Augenblick, in dem der „Sünder“ sie in Gottes Kraftfeld bewusst wahrnimmt und auch vor sich und Gott zulässt, wie sehr ihn selbst diese Wahrnehmung schmerzt. Biblisch ist diese Erfahrung als Jesu Zeit in der Wüste verortet.

Meister Eckhart beschreibt den Zustand, der auf die Wüstenerfahrung folgt, als Jungfrau sein. „Jungfrau heißt so viel, wie ein Mensch, der aller fremden Bilder ledig ist, so ledig wie er war, als er nicht war“ (dieses Verständnis ist auch sehr interessant im Hinblick auf Maria).

Die Arbeit an sich selbst wird in Hammarskjölds Tagebuch immer deutlicher und er überhöht ironisch die Irrwege: „Beim Blocksbergritt zum Teufelsberg treffen wir nur uns selbst, uns selbst, uns selbst.“ „Narzissus war hingerissen von der eigenen Hässlichkeit, weil er sich mit dem Mut schmeichelte, sie zu erkennen.“

3. EGO-Vergessenheit/Gelassenheit/Gottvertrauen

Ignatius von Loyola schreibt: „Nehmt Herr und empfangt meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen, all mein Haben und Besitzen. Ihr habt es mir gegeben; Euch gebe ich es zurück. Alles ist Euer, verfügt nach Eurem ganzen Willen. Gebt mir Eure Liebe und Gnade, denn diese genügt mir.“ Theresa von Avila schreibt: „Wer Gott besitzt, dem mangelt nichts. Gott allein genügt.“Und Dietrich Bonhoeffer: Gott braucht „Menschen, die sich alles zum Besten dienen lassen.“ Dag Hammarskjöld schreibt : „Ein Märchen berichtet: von einer Krone so schwer, dass nur der sie zu tragen vermochte, der in völliger Vergessenheit ihres Glanzes lebte“ . Hammarskjöld möchte „Nicht auf der Erde lasten“ „Nicht ich, sondern Gott in mir“und schliesslich das Selbstgeschenk Gottes: „dieses surrendered Sein: das ist, was Gott von sich, in mir, sich gibt.“ Der Mensch wird „Stark und frei, weil er selbst nicht mehr ist“.

Der Mystiker stellt sich und die eigenen Wünsche hinter die Wünsche Gottes zurück und erlangt dadurch ein hohes Maß an Gelassenheit.

Bekehrung, also Hingabe an Gott, ist nicht das Bekenntnis zu Gott auf der intellektuellen Ebene, oder gar die Mitgliedschaft, wie in so vielen Kirchen praktiziert, sondern auf einer geradezu zellulären Ebene. Biblisch verortbar ist diese Erfahrung in Röm 8,28. Das Gebet Jesu im Garten Gethsemane ist ultimativer Ausdruck dieser Hingabe.

4. Lieben und geliebt sein

Danach folgt eine Auseinandersetzung mit der eigenen Liebesfähigkeit. Jeder Mensch hat in der Liebe Defizite, aber es ist besonders schwer, diese einzugestehen. Insbesondere deshalb, weil die Defizite auf den ersten Blick immer bei den anderen zu liegen scheinen. Hier gibt uns das Neue Testament einen Schlüssel in die Hand: Die Griechen kannten vier verschiedene Formen von Liebe, von deren Bekanntsein und Verständnis auch das Neue Testament ausgeht: Porneia (als die gekaufte Liebe, also verzweckte Liebe mit irgendeinem Hintergedanken von „um..zu“), Eros (Liebe als sinnenverwirrende Anziehung),  Philia (Freundesliebe), Agape (unbedingte Liebe). Hierauf beziehen sich die Fragen Jesu in Joh 21, 15 an Petrus ἀγαπᾷς με? „Agapas me?“, die Petrus hartnäckig mit φιλῶ σε „Philiou te!“ beantwortet. Das tragische Missverständnis dieses Gespräches wird durch die jammervolle Übersetzung „Hast Du mich lieb?“ (statt: Liebst Du mich unbedingt?) mit der Antwort „Ja Herr, du weißt, dass ich Dich lieb habe.“ (statt korrekt übersetzt: ich liebe Dich wie ein Freund) potenziert und vollends unverständlich gemacht. Die Unfähigkeit des Petrus, so zu lieben wie Jesus, ist aus der Übersetzung nicht verstehbar, ist aber ein biblischer Schlüssel zum Verständnis des eigenen Kommunikations- und Liebesversagens. Jeder Mensch hofft unbedingt geliebt zu sein, jeder stellt Jesu Frage: ἀγαπᾷς με? Aufschlußreich ist die eigene Antwort.

Zur Agape hier nur Dag Hammarskjölds moderne Beschreibung: „Wenn Du so weit gekommen bist, dass Du keine Antwort erwartest, wirst Du zum Schluss in einer Weise schenken können, dass der andere entgegennehmen und sich über das Geschenk freuen kann. Wenn der Liebende befreit ist, von der Abhängigkeit vom Geliebten durch das Reifen der Liebe zu einem Strahlen, das Auflösung alles Eigenen in Licht ist – dann wird auch der Geliebte vollendet, indem er vom Liebenden frei wird.“

5. Dunkle Nacht der Seele

Johannes vom Kreuz, der Erfinder des Begriffs, spricht von der dunklen Nacht als kontemplativer Gotteserfahrung. Teresa v. Avila spricht von „eingegossener Reinigung.“ Bei der dunklen Nacht der Seele handelt es sich um einen unwillkürlich (also gnadenhaft) einsetzenden, zeitlich begrenzten (3 Tage: Zeichen des Jona) depressiven Zustand, der vor allem darauf beruht, dass dem Menschen zutiefst bewusst wird, wie schuldig er sich an anderen Menschen und damit an Gottes Liebe gemacht hat. Gleichzeitig ist dieser Zustand davon gekennzeichnet, dass der Mensch sich seiner Gottesbilder und Christusbilder so bewusst wird, dass er sie hinter sich lassen muss und er zudem nicht wird weitergehen können, wenn er nicht alles hinter sich lässt, auch die am meisten geliebten Menschen. Es handelt sich also um ein totales Loslassen. Hammarskjöld verwendet den Begriff „dunkle Nacht“ nur einmal.

6. Der mystische Tod – ein Absprung/Karfreitag

Angelus Silesius dazu: „Wer nicht stirbt bevor er stirbt, der verdirbt bevor er stirbt.“ An der „Grenze des Unerhörten“ entsteht bei Hammarskjöld Mut aus Demut. „Dieses Schwindelgefühl vor les espaces inifinis – nur überwindbar wenn wir es wagen, schutzlos in sie hineinzublicken. Und sie als Wirklichkeiten zu erkennen vor denen wir unsere Existenz rechtfertigen sollen. Denn dies ist die Wahrheit, zu der wir gelangen müssen, um zu leben: Das All ist, und wir sind nur in ihm.“ Das Überwinden wird hier zu einer natürlichen Äußerung der Gotteskindschaft. Hammarskjöld: „War er mutig? Nein, aber logisch.“ „

Die Bibel nimmt an vielen Orten Bezug auf die Notwendigkeit des Sterbens. So z.B. in Joh 12, 24 oder auch in 1. Kor. 15, 36. Versteht man Kreuzigung und Auferstehung als Seelenbilder so sind diese auch Beschreibungen von Vergehen und Erstehen, wie es die Mystiker beschreiben. Es steht an, der Tod des Egos zugunsten einer Einheit mit Gott, die sogenannte „unio mystica“. Die Bibel bezieht sich nicht in erster Linie auf den körperlichen Tod. Sie handelt von dem Weg zum Sterben vor dem physischen Tod. Tod als Vorstufe zu Auferstehung. Um es mit der Offenbarung zu sagen: „Selig und heilig, wer Teil hat an der 1. Auferstehung, über sie hat der 2. Tod keine Gewalt, sie werden Priester Gottes und des Christus sein und tausend Jahre mit ihm herrschen.“ (vgl. Offb 20,6)

7. Erleuchtung/mystisches Erlebnis/Gotteserfahrung/Auferstehung/Ostern

Theresa von Avila beschreibt: „Zuerst glaubt sie im Geiste eine glühende, lichthelle Wolke zu sehen, darin die drei Personen der Gottheit, voneinander unterschieden. Eine wunderbare Erkenntnis erschließt sich ihr plötzlich mit völliger Gewissheit; sie sieht wie diese drei Personen nur eine Wesenheit, eine Macht, eine Weisheit, ein einziger Gott sind.“Caterina v. Siena: „Du bist das Feuer, das stets brennt und nicht verzehrt, du bist das Feuer, das in Deiner Hitze alle Selbstsucht der Seele verbrennt […] Du erleuchtest. In Deinem Licht gabst Du mir Deine Wahrheit zu erkennen.“ Teilhard de Chardin schreibt: „Die Welt begann nach und nach Feuer zu fangen, begann zu brennen; dies alles geschah während meines Lebens und als Ergebnis meines Lebens, bis es zu einer großen leuchtenden Masse wurde, erleuchtet von Innen, die mich umgab.. Christus, sein Herz. Ein Feuer mit der Kraft alle Dinge zu durchdringen – welches sich jetzt langsam, aber unaufhaltsam ausbreitete.“ Hammarskjöld beschreibt: Ganz eins sein mit sich selbst bedeutet „Auflösung alles Eigenen in Licht“. Darauf folgt ein „Erlebnis von Licht, Wärme und Kraft. Von außen.“

Die Erleuchtung ist nicht das Ziel des Weges, sondern nur einer unter vielen Schritten. Allen Beschreibungen von Erleuchtung von denen man auch viele insbesondere im Alten Testament aber auch im Neuen Testament (z.B. die Taufe im Jordan, Paulus Erleuchtungserlebnis) findet, ist gemeinsam, dass eine gnadenhafte, eingegossene Licht-Erfahrung dazu führt, dass ein tiefes Verständnis vom innersten Zusammenhang der Welt als real wahrgenommen wird. Es handelt sich nicht um Exstase, sondern um Geistesklarheit.

8. Leib Christi

James Finley, ein moderner amerikanischer Mystiker, schreibt: „Wenn sich eine intime Beziehung zwischen zwei Menschen vertieft, kann sie sich zu einem Punkt vertiefen, an dem sie gegenseitig als dualistisch vom anderen getrennt verschwinden. Thomas Merton spricht über diese über-subjektive Gemeinsamkeit in welcher wir und Gott, wir und andere Menschen, wir und die Erde, beginnen zu verschwinden und das Getrenntsein, das Anderssein, überwunden ist. Das ist der Grund weshalb, wenn Menschen sterben, sie nirgends hingehen. Wenn wir sterben verschwinden wir. Wir sehen die Toten nicht, aus dem gleichen Grunde, aus dem wir Gott nicht sehen. Da ist kein Getrenntsein oder Anderssein zwischen ihnen und dieser Unendlichkeit. Und da diese Menschen nirgendwo hingehen, sind wir alle genau hier. Wohin gehen Kerzen, wenn sie ausgehen? Wenn mich diese Frage mit einem Frösteln erfüllt, dann zeigt dies meinem Herzen, dass ich noch nicht begonnen habe, die Auferstehung zu verstehen.“ Cynthia Bourgeault, eine amerikanische Mystikerin, schreibt: „Ja, Jesus Körper läuft nicht mehr auf diesem Planeten herum. Aber wenn wir ihn -Jesus- ernst nehmen, bedeutet das keine Unterbrechung unserer Intimität mit ihm, wenn wir nur lernen, ihn auf der anderen Ebene wahrzunehmen.“

Hammarskjöld schreibt: „bis um mich Grenzenlosigkeit war, worin wir alle zusammenfluteten“ und dann die Erfahrung „dass es die Mauer nie gegeben hatte, das „das Unerhörte“ hier und dieses ist und nicht ein anderes..“ Es handelt sich also um eine energetische Realität auch zwischen Menschen. Eine Art über-subjektive Gemeinsamkeit. Diese Wahrnehmbarkeit benennt Paulus als den „Leib Christi“, siehe 1.Kor. 12, 12. Es ist die Eucharistie-Erfahrung, in welcher das Du in mir ist.

9. Versuchungen

Theresa von Avila sagt: „Bildet Euch nicht ein, liebe Schwestern, dass die Wirkungen […] sich immer auf dieselbe Weise und in demselben Maß in der Seele äußern. Der Herr lässt diese zuweilen in ihr unverklärtes, natürliches Wesen zurücksinken. Alsdann fallen alle giftigen, verheerenden Tiere, über sie her […] doch dies währt meist nur einen Tag, selten etwas länger..“ Hammarskjöld nimmt die Versuchungen in die persönliche Ebene: „So wähltest du von Neuem dich selbst – und öffnetest dem Chaos das Tor. Jenem Chaos, das Du bist, wenn Gottes Hand nicht auf Deinem Haupt ruht.“ „Als Luzifer sich rühmte, was er auf Engelswegen gewirkt, da wurde er zum Werkzeug des Bösen“ In der Bibel gibt es viele Stellen in denen es um diesen Kampf geht, so zB bei den Versuchungen Christi und in der Vaterunser-Bitte „und führe mich nicht in Versuchung“. Paulus spricht immer wieder von der Gefahr, sich zu rühmen, so z.B. in 2. Kor. 4. Der Mensch ist also immer wieder versucht, auf sich selbst zu rekurrieren, anstatt auf Gott, also sich gegenüber Gott nicht demütig zu verhalten, sich selbst zu überheben. Es ist durchaus möglich, dieses immer wieder auftauchende EGO als „Teufel“ zu erfahren.

10. Singularität – nur unter Gott stehen

Hammarskjöld unterstreicht die Bedeutung des „Singulär“ sein: „Es ist nicht genug, sich täglich unter Gott zu stellen, darauf kommt es an, nur unter Gott zu stehn.“ „Jede Zersplitterung öffnet die Tür für Tagtraum, Geschwätz, heimliches Selbstlob, Verleumdung“„Handle ohne Gedanken an die Folgen und ohne in irgendeiner Weise Dich selber zu suchen“ „Preise Deine Kritiker, die, denen keine deiner Anstrengungen genügt.“ „Das Leben hat Wert nur durch seinen Inhalt – für andere. Mein Leben ohne Wert für andere ist schlimmer als Tod.“

Der Mensch Jesus von Nazareth hat sich bis zum physischen Tod Gott – und damit der Liebe zu anderen Menschen – unterstellt. Nichts, nicht einmal sein Leben, war ihm wichtiger. Dies hat er in letzter Konsequenz durchgetragen. Er war also „singulär“, nicht ablenkbar, Gott hingegeben. Er hat in aller Konsequenz zu Gott „Ja“ gesagt und ist danach (auch vom 2.Tod) auferstanden. Das macht ihn besonders.

Der Garten des Getty Center Los Angeles

A2A85F21-6E24-42B6-AB8B-75F99DBDF5B4Photo Credit: Getty Museum

 

Robert Irwin (geb. 1928) hat 1997 in Los Angeles im Getty Center einen Garten geschaffen, eine begehbare spirituelle Skulptur.

Das Wasser entspringt einem Halbrund, weit entfernt vom Garten. Erreicht dann einen runden Stein mit Loch in der Mitte.In der Mitte des Steins, ganz zart erkennbar, das Kreuz. Von oben, durch dieses Loch, fällt das Wasser ein ganzes Stockwerk hinunter in diese Grotte:eingegossen in wiederum ein rundes klares Becken. Inkarniert.

Aber dem Fließen des Wassers stehen viele Widerstände entgegen.Gurgelnd und plätschernd findet es mühsam seinen Weg. Manche Hindernisse sind sehr formalisiertquadratisch behauene Blöcke. Immer wieder staut sich auch das Wasser. Kommt nicht weiter, steckt fest. Nachdem es sein Hindernis umspült -kennengelernt- hat, fließt es aber immer weiter.

Der Bach sprudelt nun unter Platanen, die zwar Schatten spenden, aber auch große Blätter verlieren, die zusätzlich zu Unterbrechungen des Flusses führen. Der Weg kreuzt den Bach. Immer wieder führt er so weit vom Bach weg, dass das Rauschen des lebendigen Wassers nicht mehr zu hören ist, an manchen Stellen, nahe am Bach, finden sich auch halbrunde Bänke, mit Einladung zum Verweilen. Aber das Wasser rauscht weiter.

Schließlich gewinnt das Wasser an Fahrt. Wie auf einer Zielgeraden rauscht es auf einen Punkt zu. Die Hindernisse werden weniger.Die Gartenarchitektur öffnet sich zu einem Feuerwerk an Farben und Formen. Bougainvillea, als Schirme geschnitten, beschatten einen Platz mit Korbstühlen. Nur nach und nach wird einem bewusst: der Weg zum Wasser des Lebens ist verstellt. Es ist ein Punkt ohne Rückkehr und die Aussicht ist trocken.Das Wasser verschwindet ins nicht mehr Sichtbare. Tod.

Wer hier den Mut hat weiterzugehen, kommt zunächst in eine Zwischenzeit. Das Bewusstsein von der Vergänglichkeit und von Verlust führt den Wanderer zu einer WüstenerfahrungDie Kehren des Weges sind sehr scharf. Hier werden existentielle Entscheidungen getroffen. Höhepunkt dieser Auseinandersetzung  sind die Versuchungen. Weiter Blick vom Berg auf Los Angeles. img_1020

Wenn der Mensch sich an diesem Punkt umwendet, ahnt er zwischen den Gittern bereits das Wasser des Lebens.Durch Torbögen tritt der Mensch ein in die Erfahrung von Fülle, Verbundenheit und  Einssein und Alleineinheit.Der labyrinthartig angelegte Weg führt immer tiefer hinab. Das letzte Stück ist flankiert von Granatäpfeln.

Schließlich öffnet sich der Blick auf diesen Teich mit einem Labyrinth aus Azaleen.In den das Wasser hinabstürzt.img_1035Im Herzen des Gartens sprudelt eine Quelle.

Gemeinde

In einem christozentrischen Lehrhaus finden Menschen eine Heimat, die eucharistiefähig geworden sind. Sie sind auf das Wort Jesu Christi hin den inneren Weg durch das Bergland von Samarien bis nach Jerusalem gegangen. Geheilt und reflektiert kehrte damals einer über die Stationen zurück, die er in seiner Therapiegruppe vorher gegangen war, um gesund zu werden. Er dankt Jesus dem Christus. (vgl. Lk 17, 11-19).

Vielleicht ist die erste Station einer Reise zurück zu Jesus der Ort, an dem die mit Jesus schwangere Maria ihre Verwandte Elisabeth besuchte, nämlich Ain Kerem (vgl. Lk 1, 39-56). Das nächste Innehalten könnte dann der Moscheebrunnen im heutigen Ramalla sein. Hier bemerkten Maria und Josef das Fehlen des 12-jährigen Jesus (vgl Lk 2, 41-55; vgl 1 Sam 2, 1-11, 25,1). Weiter geht es über Bethel (vgl. Gen 28, 1-12), Ephraim (vgl. Johannes 11, 54-57) und Shilo (vgl 1 Sam 4, 3-11) zum Jakobsbrunnen in Sychar (vgl Joh 4, 1-26), dem alttestamentlichen Sichem mit Tell Balata (vgl Gen 33, 17-34). Und dann kommt Sebaste, die große Stadt mit den Tempeln für Augustus (vgl LK 2, 1) und der Grabstätte für Johannes den Täufer (vgl Lk 9,9; Mk 6, 29).

Der Geheilte kam voll Dankbarkeit bei Christus an (vgl. Lk17, 16). Sein Glaube hat ihm geholfen. Eine christozentrische Gemeinde entsteht! Zusammen mit vielen anderen Jüngerinnen und Jüngern, die mit Jesus unterwegs sind, von ihm lernen und sich von ihm senden lassen, d.h. Apostolinnen und Apostel werden, wächst Gemeinschaft und Gemeinde Jesu Christi. So wird Maria v. Magdala in der kirchlichen Tradition als apostola apostolorum d.h als Apostolin der Apostel bezeichnet und in einer frühen Handschrift wird Junia als Apostolin erwähnt, aus der später ein Junias gemacht wurde. Jesus gründet eine Bibelschule zu welcher Männer und Frauen gleichwesentlich gehören. Frauen sind bei ihm und haben nicht nur Aufgaben und Funktionen. (Luk 8, 1ff.)

Bis in unsere Zeit hat sich am Anfang der Liturgie der dreifache Ruf „Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison“ erhalten, der noch aus der Zeit stammt, als die Christen in Rom ihren Gottesdienst in griechischer Sprache feierten. In dieser Kurzformel des Glaubens an die Menschwerdung Gottes wird bezeugt, dass der eine ewige Gott barmherzig ist. Der hebräische Eigenname Gottes JHWH wurde mit griechisch KYRIOS, deutsch HERR wiedergegeben. Sein Messias, CHRISTUS, ist nach dem Glauben der Christen in Jesus von Nazareth erschienen und so in die Herrlichkeit des HERRN zurückgekehrt: Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.

Exerzitien

Und drittens wird durch christozentrische Exerzitien vermittelt, dass ein geistlicher Prozess trialogisch angelegt ist. Die Beziehung zwischen dem, der Exerzitien übt bzw. darin geübt wird, und dem, der ihn darin begleitet, ist wichtig. Wesentlich ist aber das lebendige Verhältnis zwischen Gott und dem Exerzitanten. Durch Christus wird die Nähe der göttlichen Wirklichkeit repräsentiert, durch Jesus die menschliche Menschheit verbürgt.

Jesus Christus ist so gesehen das göttliche und menschliche Gegenüber bei der eignen Suche nach ethisch verantwortbarer Menschlichkeit, nämlich Beziehungsgerechtigkeit und Barmherzigkeit einerseits und einem stimmigen Innehalten vor dem einen wahren Gott in dessen ungeschaffener Geistigkeit andererseits. So ist der Exerzitant in Freud und Leid mit Jesus Christus unterwegs. Von Weihnachten über Ostern bis Pfingsten und Himmelfahrt läuft der Festkreis mit Leben-Jesu-Betrachtungen und Begegnungen. Im Kraftfeld der göttlichen Gnade wird die eigene Unheilsgeschichte in die Heilsgeschichte hinein verwandelt.

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Das Ewige Evangelium

Was der Apostel Paulus in seinem Brief an die Thessalonicher andeutet, wird in der Offenbarung des Johannes ausführlich behandelt. Das aufhaltende Prinzip (das Katechon) verhindert einerseits, dass sich das Böse noch mehr ausbreitet, andererseits steht es auch dem wiederkehrenden Christus entgegen (vgl. 2. Thess 2, 1-12).

In einem einjährigen geistlichen Prozess anhand der Johannesoffenbarung soll das eigene Leben in seiner Ambivalenz und Zweideutigkeit in das ewige Evangelium hineingehalten werden. Denn Prädestinationslehren schenken im Grunde keinen Trost in einer Welt der Unerbittlichkeit, die dem Untergang entgegenläuft. Wahr ist das, was stimmt. Nur die Wahrheit, die Jesus Christus ist, führt zu einem glückselig machenden Glauben. Welche Prä-destination, welche Vorher-bestimmung: zur Freiheit befreit.

Was lehrt uns die Johannes-Offenbarung? Geistliche Übungen mit Christus, welche die Basis sind für eine neue ökumenische Ekklesiologie, in der die menschheitliche Verantwortung der Kirche reflektiert wird. Das ewige Evangelium ist ein Text, bei dem alles darauf ankommt, ihn im Geiste Jesu zu verstehen. Ein Blick in die Wirkungsgeschichte macht deutlich, dass dies keineswegs selbstverständlich ist. Wie wichtig ein solches Verständnis auch im Dialog mit dem Islam ist, wird sich während der einjährigen spirituellen Reise im Festkreis des johanneischen Kirchenjahres zeigen. Mit den 22 Kapiteln der Johannesoffenbarung lässt sich von Festkreis zu Festkreis das eigene geistliche Leben ein Jahr lang im Horizont der Ewigkeit gestalten.

Exerzitien beginnen mitten in der Welt. „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt“ (vgl. Offb 2,7). Der verborgene Sinn der Geheimen Offenbarung kann nicht primär mit den natürlichen Ohren erfasst werden. Nötig dafür sind die geistlichen Sinne: nämlich das Ohr des Herzens, die Lippen des Lobes und das Auge des Glaubens. Die Inspiriertheit des ewigen Evangeliums zu erfassen, ist eine Sache der geistlichen Sinne.

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Das Christozentrische Lehrhaus bietet Online Exerzitien mit Stefan Sedlacek an. Siehe Neue Kurse und Aktuelles

Aufstellungen

Bei christozentrischen Aufstellungsseminaren kommt es dazu, dass einzelne aus ihrer defizitären Situation zu einem ressourcenorientierten Leben zurückfinden und neu zu Stande kommen, so dass sie selbständig weitergehen können. Auch für Organisationen, Gemeinden, Gruppen und Familien kann durch Aufstellungsarbeit eine neue Lebensphase beginnen. Talente und Charismen ermöglichen einen Herrschaftswechsel, sodass Systeme sich verändern können. Transformation glückt, sobald aus dem Geist des Evangeliums alternative Perspektiven entstehen. Dadurch werden konkrete Lösungswege sichtbar und gangbar. Der Heilige Geist ist eine Wirklichkeit, die nicht nur Himmel zu Hause ist, sondern auf Erden konkret erfahrbar ist. Das Konzil von Konstantinopel II hat im Jahre 381 diesbezüglich klargestellt: der Heilige Geist ist nicht nur homoousios, das heisst Gott wesensgleich, sondern ist pfingstlich auf die Gläubigen ausgegossen.

Es ist, als ob dieses Wort aus der Bibel die heilsame Dimension der Familien- und Organisationsaufstellung beschreibt. So kann diese systemische Methode ganz bewusst im christlichen Sinne, d.h. lebenspraktisch im Geist der Erlösung und Befrei- ung angewandt werden. Jeder und jede gehört zu einem Fa- miliensystem mit Herkunfts- und Gegenwartsfamilie, das ein seelisches Kraftfeld mit eigener Dynamik erzeugt. Familienmit- glieder sind oft über Generationen hinweg unbewusst in Treue miteinander verbunden. Die Folgen solcher Verbindungen können als Verstrickungen zu Blockaden und Erkrankungen führen. Mit Hilfe einer Aufstellung werden solche Probleme sichtbar und in Richtung einer guten Lösung geführt. Nicht immer geht es dabei nur um das Familiensystem. Vielmehr ist das ganze Spektrum menschlicher Verhältnisse und Beziehun- gen Gegenstand der Aufstellungsarbeit.
Häufige Themen für eine Aufstellung
sind Probleme zwischen Eltern und Kindern, Beziehungs- oder Partnerschaftsprobleme, berufliche Anliegen, seelische Schwierigkeiten, psychosomatische Symptome, Identitätsfin- dung oder geistliche Fragen.
Zur Methode:
Die Person, deren Anliegen Thema ist, wählt aus der Gruppe für einzelne Familienmitglieder oder Anteile des aufzustellen- den Themas Stellvertreter aus und platziert diese nach innerer Vorstellung im Raum. Diese Stellvertreter erleben die Gefühle der Personen oder Anteile aus dem aufgestellten System und drücken Beziehung und Befindlichkeit aus. Durch seelische Prozesse entwickeln sich innere Bilder, die es ermöglichen, in gegenseitiger Achtung und Anerkennung heilsame Schritte zu gehen. Dadurch eröffnen sich neue Perspektiven. Ganz be- wusst agiert die Kursleitung dabei nicht direktiv, sondern gibt dem Geist Gottes und seiner lösungsbringenden Kraft Raum. Das Evangelium Jesu Christi von der Befreiung zur Fülle des Lebens spielt dabei eine wesentliche Rolle.
Nachgespräch:
Das Nachgespräch dient vor allem dazu, dass jemand mit sich identisch bleibt. Das Lösungsbild der Aufstellung zeigt, wohin der Weg im Außen geht. Dieser Weg wird im Nachgespräch gefestigt und in den Alltag integriert, so dass der rote Faden im Leben erkannt wird und stabil bleibt.