Exerzitien

Und drittens wird durch christozentrische Exerzitien vermittelt, dass ein geistlicher Prozess trialogisch angelegt ist. Die Beziehung zwischen dem, der Exerzitien übt bzw. darin geübt wird, und dem, der ihn darin begleitet, ist wichtig. Wesentlich ist aber das lebendige Verhältnis zwischen Gott und dem Exerzitanten. Durch Christus wird die Nähe der göttlichen Wirklichkeit repräsentiert, durch Jesus die menschliche Menschheit verbürgt.

Jesus Christus ist so gesehen das göttliche und menschliche Gegenüber bei der eignen Suche nach ethisch verantwortbarer Menschlichkeit, nämlich Beziehungsgerechtigkeit und Barmherzigkeit einerseits und einem stimmigen Innehalten vor dem einen wahren Gott in dessen ungeschaffener Geistigkeit andererseits. So ist der Exerzitant in Freud und Leid mit Jesus Christus unterwegs. Von Weihnachten über Ostern bis Pfingsten und Himmelfahrt läuft der Festkreis mit Leben-Jesu-Betrachtungen und Begegnungen. Im Kraftfeld der göttlichen Gnade wird die eigene Unheilsgeschichte in die Heilsgeschichte hinein verwandelt.

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Das Ewige Evangelium

Was der Apostel Paulus in seinem Brief an die Thessalonicher andeutet, wird in der Offenbarung des Johannes ausführlich behandelt. Das aufhaltende Prinzip (das Katechon) verhindert einerseits, dass sich das Böse noch mehr ausbreitet, andererseits steht es auch dem wiederkehrenden Christus entgegen (vgl. 2. Thess 2, 1-12).

In einem einjährigen geistlichen Prozess anhand der Johannesoffenbarung soll das eigene Leben in seiner Ambivalenz und Zweideutigkeit in das ewige Evangelium hineingehalten werden. Denn Prädestinationslehren schenken im Grunde keinen Trost in einer Welt der Unerbittlichkeit, die dem Untergang entgegenläuft. Wahr ist das, was stimmt. Nur die Wahrheit, die Jesus Christus ist, führt zu einem glückselig machenden Glauben. Welche Prä-destination, welche Vorher-bestimmung: zur Freiheit befreit.

Was lehrt uns die Johannes-Offenbarung? Geistliche Übungen mit Christus, welche die Basis sind für eine neue ökumenische Ekklesiologie, in der die menschheitliche Verantwortung der Kirche reflektiert wird. Das ewige Evangelium ist ein Text, bei dem alles darauf ankommt, ihn im Geiste Jesu zu verstehen. Ein Blick in die Wirkungsgeschichte macht deutlich, dass dies keineswegs selbstverständlich ist. Wie wichtig ein solches Verständnis auch im Dialog mit dem Islam ist, wird sich während der einjährigen spirituellen Reise im Festkreis des johanneischen Kirchenjahres zeigen. Mit den 22 Kapiteln der Johannesoffenbarung lässt sich von Festkreis zu Festkreis das eigene geistliche Leben ein Jahr lang im Horizont der Ewigkeit gestalten.

Exerzitien beginnen mitten in der Welt. „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt“ (vgl. Offb 2,7). Der verborgene Sinn der Geheimen Offenbarung kann nicht primär mit den natürlichen Ohren erfasst werden. Nötig dafür sind die geistlichen Sinne: nämlich das Ohr des Herzens, die Lippen des Lobes und das Auge des Glaubens. Die Inspiriertheit des ewigen Evangeliums zu erfassen, ist eine Sache der geistlichen Sinne.

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