Impuls der Woche

von Edna Li

Theodizee (immer noch)

Eigentlich gibt es die Theodizee-Frage gar nicht. Sie ist ein Denkfehler. Dennoch wird die Frage „Wenn Gott allmächtig ist, wieso hat er das Schlimme zugelassen?“ im Angesicht von Katastrophen immer wieder gestellt.

In unserem Glauben werden wir dazu angehalten, zu glauben, dass Gott uns liebt. Das stimmt auch, aber unsere Vorstellung davon greift zu kurz. Gott liebt uns nicht nur, er IST die Liebe, die unbedingte Liebe. Gott ist Liebe ohne wenn und aber, die ungebremst auf uns zu fließt, uns durchfließt und immer für uns da ist und uns dabei ganz frei lässt. Das ist viel größer, schöner und süßer als die Vorstellung, wir seien „von Gott geliebt“. Denn da operieren wir mit Vorstellungen von Liebe in menschlichen Dimensionen, aber Gott ist größer! Gott ist der Liebesimpuls im Universum, die Kreativität an sich, die alles nicht nur schafft, sondern auch immer da ist. Es gibt keinen Moment im Universum, der ohne diese Liebesenergie sein könnte. Es gibt nur dann den Deus absconditus, den verlorenen Gott, wenn wir ihn in unseren Dimensionen denken. Gott ist immer da, er kann uns nicht verlassen.

Das ultimative Übel in unserem Leben scheint der Tod zu sein. Jesus hat da etwas anderes gelebt, aber 2000 Jahre später haben wir das immer noch nicht verstanden. Wir rennen weiterhin durch die Welt vor lauter Todesangst. Kleben an unserer Physis. Aber was ist diese Physis denn? Teilchen in der andauernden Explosion des Universums, tweetender Sternenstaub, der ungebremst durchs Weltall rauscht. In unserer Physis haben sich die Teilchen zu „Mensch“ formiert, aber sie hätten sich auch zu „Stein“ oder „Wasser“ oder sonst irgendwas formieren können und: sie WERDEN sich neu formieren. Nichts geht verloren. Es ist aber nicht alles so fest wie es aussieht. Und darauf kommt es auch nicht an, denn in uns ist etwas vollkommen unkaputtbar: die Liebe. Siehe oben. Der Tod ist also kein Übel. Das was für uns wie Tod wirkt, ist lediglich ein Moment der Neu-Formierung der Teilchen. Neuformierung und Kreativität, also Schöpfung, bedeutet auch, dass alles im Fluß ist. Es gibt keinen Anspruch auf den Status Quo. Die Veränderung des Bestehenden ist nicht böse, nur neu.

Gott, die liebende Kreativität, formiert alles ständig neu und damit ist alles ewig. Die Frage „Weshalb hat Gott das zugelassen?“ ist so absurd wie sie normal ist aus dem Blickwinkel unserer physischen Endlichkeit.

Und in diesem Wissen ist die Angst überwunden.

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