Impuls der Woche

Erinnerung

von Edna Li

Die Bibel ist ein Buch der Erinnerung. Nicht nur sind alle Geschichten der Bibel einmal deswegen aufgeschrieben worden, damit wir uns an sie erinnern, sondern sie spricht auch viel vom Erinnern. Die ganze jüdische Religion, und damit auch das Christentum, basiert auf den großen Festen der Erinnerung. Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten, Erinnerung an die Errettung aus dem Schilfmeer, Erinnerung an die ungesäuerten Brote. Aber auch im Christentum ist unsere Hauptfeier ein Fest der Erinnerung, das Abendmahl. „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“

Immer wieder spricht die Bibel davon, dass Gott vergessen wurde, dass man stattdessen nur an Götzen geglaubt hat. Gott bringt sich auch immer wieder in Erinnerung. „Mein Volk hat mich vergessen, nichtigen Götzen bringt es Opfer dar!“ klagt Gott bei Jeremia (Jer 18,15) oder in den Psalmen „Gott vergaßen sie, der sie errettet, der Großes gewirkt hat in Ägypten.“ Andererseits flehen die Israeliten auch immer wieder zu Gott: „Wie lange noch, Herr, vergisst du mich ganz?“

Die Bibel will also, dass wir uns erinnern. Nun mag man sich aber oft nicht so gerne erinnern. Viele Dinge möchte man gern vergessen. Die Bibel pocht auf die Erinnerung, weil man ohne Erinnerung nicht verzeihen kann und nicht umkehren. Ohne die Erinnerung kann man keine neuen Wege gehen.

Für Hildegard von Bingen war das Gegenteil zur Gottvergessenheit die Heiligkeit. Oder umgekehrt: Jeder Mensch, der sich an Gott erinnert, ist zur Heiligkeit berufen.

Welch ein Versprechen!

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